IHR ANSPRECHPARTNER

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OMBUDSMANN WALTER KLUTH STELLT SICH VOR

GAG-Ombudsmann Walter Kluth, ehemaliges Ratsmitglied der Stadt Köln, steht als unabhängiger Gesprächspartner all jenen zur Verfügung, die vertraulich über Regelverstöße im Unternehmen sprechen wollen – Mitarbeitende und Außenstehende gleichermaßen. Im Interview wirbt er um Vertrauen in seine Person. Muss die GAG noch mehr tun, um im Kampf gegen Korruption gewappnet zu sein?

 

Wozu braucht die GAG einen Ombudsmann?

Der Ombudsmann ist ein Ansprechpartner für Menschen, die uns über wirtschaftskriminelle Vorgänge rund um die GAG informieren wollen. Das können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lieferanten oder auch Mieter sein. Das ist bei mir möglich – absolut vertraulich, absolut anonym.

 

Warum führt ein Unternehmen wie die GAG eine solche Funktion ein?

Die Menschen erwarten von den Unternehmen zunehmend, dass sie Korruption und ähnliche Fehlentwicklungen wirksam und nachvollziehbar bekämpfen. Aus Sicht des Vorstands und des Betriebsrats der GAG ergänzt ein Ombudsmann die internen Institutionen, die sich um eine korrekte Unternehmenskultur bemühen. Eine Straftat größeren Ausmaßes ist bisher allerdings nicht an mich herangetragen worden.

 

Wie würden Sie denn den Begriff Compliance definieren?

Compliance bedeutet erst einmal Regeltreue. Es geht um ein System, das für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und unternehmensinternen Richtlinien sorgt. Das sind bei der GAG mehrere Institutionen, zum Beispiel der Compliance-Manager Markus Thiele, das Compliance-Komitee und der so genannte Fraud-Ausschuss, der über konkrete Anfragen und Fälle entscheidet.

 

Der Verhaltenskodex, den bei der GAG jeder Mitarbeiter unterzeichnen muss, listet Punkte wie rechtmäßiges Verhalten, die Trennung von Geschäftlichem und Privatem, vertraulicher Umgang mit Geschäftsinterna. Versteht sich so etwas nicht von selbst?

Das stimmt. Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen trotz aller vermeintlich selbstverständlichen Bestimmungen zum Beispiel Korruption auftritt. Dem will die GAG mit gezielter Aufklärung entgegen wirken und nachhaltig sensibilisieren. Es ist zwar im Grunde jedem klar, was Korruption ist. Im alltäglichen Umgang miteinander ist es aber mitunter schwer zu definieren, was in Ordnung ist und was nicht mehr. Ich selbst zum Beispiel war Berufsschullehrer und habe da schon mal eine Tafel Schokolade als Geschenk von Schülern angenommen, ohne mir was dabei zu denken. Aber genauso fängt es an: Kleinigkeiten sind ja okay, dann aber nimmt man mal eine kleine Geldsumme für die Kaffeekasse an und schließlich wird man möglicherweise zur Annahme von größeren Summen verführt.

 

Was dürfen GAG-Mitarbeiter und was nicht?

Massenartikel wie Kugelschreiber oder Kalender dürfen angenommen werden, Geld und ähnliche Geschenke wie Lose, Gutscheine oder Coupons nicht. Sachwerte dürfen nur angenommen werden, wenn sie „sozialadäquat“ sind. Die Leitlinien sprechen von „Sozial-Adäquanz“ und „geschäftsüblich“, wenn es um Einladungen zu Veranstaltungen, Geschäftsessen oder Geschenke geht. Aber solche Begriffe sind natürlich unscharf. Am besten ist es, den „Fraud-Ausschuss“ entscheiden zu lassen, wenn man sich nicht sicher ist.

 

Plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen!

Ein Fall war der einer Seniorin, die sich beschwerte, dass der für ihr Haus zuständige GAG-Mitarbeiter bei ihr während seiner Arbeitszeit keine kleineren Hilfsdienste mehr leisten dürfe wie Glühbirnen-Auswechseln oder ähnliches. Für die Frau war das eine Selbstverständlichkeit und für den Mitarbeiter wohl auch. Er hatte die Hilfsdienste während seiner Arbeitszeit erledigt und ein paar Euro dafür genommen. Das ist aber nicht in Ordnung.

 

Wie sieht es denn beim heiklen Punkt der Wohnungsvergabe aus?

Da werden gelegentlich Fälle an uns herangetragen, dass im Zuge einer Wohnungsvergabe Geld geflossen sei. Es geht dann teilweise um Summen im dreistelligen Euro-Bereich. Das kann und will die GAG natürlich auf keinen Fall tolerieren. Da sind wir auf die Unterstützung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Außenstehender angewiesen, und genau dafür ist der Ombudsmann da. Melden Sie sich bei mir, wenn Sie von solchen Fällen Kenntnis haben!

 

Sind Ihnen auch Regelverstöße in anderen Bereichen bekannt?

Konkret nicht, aber man muss natürlich wachsam sein, besonders im Einkauf, der zurzeit noch an verschiedenen Stellen im Haus getätigt wird. Beim Einkauf geht es immer wieder um größere Aufträge und um große Geldbeträge. Bisher ist uns kein Fall von Korruption oder Bereicherung in diesem Bereich bekannt. Man könnte sagen: glückliche GAG. Oder auch: Die GAG hat es noch nicht geschafft, „die Nas‘ dran zu kriegen“. Es ist nicht auszuschließen, dass es da bei einem Unternehmen in der Größenordnung der GAG Verstöße gab oder gibt. Immerhin reden wir über einen Jahresumsatz, der bei mehr als 300 Millionen Euro liegt. Übrigens haben auch die Stadtwerke Köln einen Ombudsmann berufen.

 

Wäre das ein Punkt, in dem die GAG noch aktiver werden müsste?

Die Frage ist: wie? Wenn es einen Verdachtsfall gibt, ermittelt sofort die Innere Revision und schaltet bei Bedarf Polizei und Staatsanwaltschaft ein. Aber man muss eben erst einmal „die Nas‘ dran kriegen“.

 

Was können Sie als Ombudsmann tun, um Hinweisgeber aus der Deckung zu locken?

Wir können nur immer wieder darauf hinweisen, dass es mich gibt und man mit mir unter absoluter Wahrung der Anonymität und Vertraulichkeit sprechen kann: persönlich, telefonisch, wie auch immer. Mir ist bewusst, dass diese Vertrauensbildung ein langwieriger Prozess ist. Wer weiß –  vielleicht hilft dabei ja auch dieses Interview.

 

Was haben GAG-Mitarbeiter, die etwas falsch gemacht haben, denn zu befürchten?

Es gibt arbeitsrechtliche, zivilrechtliche und strafrechtliche Sanktionen – die ganze Bandbreite, das hängt vom Umfang des Falles ab.

 

Was muss Ihrer Meinung in der Zukunft noch getan werden?

Wir müssen noch weitere Erfahrungen sammeln, aus denen wir lernen könnten. Das Compliance-Komitee, in dem es um den Austausch von Informationen und die Richtlinien für die einzelnen Bereiche der GAG geht, gibt es seit einem Jahr. Der Fraud-Ausschuss beschäftigt sich mit der Beratung von Anfragen aus dem Kreis der Belegschaft und versucht, wirtschaftskriminelle Handlungen zu verhindern bzw. aufzudecken. In Zukunft müssen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder auf das Thema aufmerksam machen, zum Beispiel über das Intranet oder Informationsveranstaltungen.

 

KONTAKT 

Sie sind Mitarbeiter, Mieter oder Geschäftspartner der GAG? Sie haben einen Hinweis auf Bestechung, Korruption oder sonstige Form von Wirtschaftskriminalität im Umfeld der GAG? Der GAG-Ombudsmann Walter Kluth hat für Ihre Fragen, Anregungen und Mitteilungen ein offenes Ohr. Sie erreichen ihn unter
Telefon 0171/727 07 19
und per Email an walter.kluth@koeln.de

 

Weitere Informationen zu unserem Ombudsmann finden Sie auf der GAG-Website.